»INS GRÜNE«: Mit Matthias Korn an der Grube Fernie

Sonne, blauer Himmel, ein Naturkleinod, ca. 25 Besucher und ein gut aufgelegter Referent: Das sind die besten Voraussetzungen für eine gelingende Veranstaltung. Genau so entwickelte sich in den zwei Stunden der Führung rund um die Grube Fernie die Vogelwanderung mit Matthias Korn, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der HGON (Hessische Gesellschaft für Orhithologie und Naturschutz) und gleichzeitig Mitinhaber des Fachbüros für faunistische Fachfragen in Linden.  In seinen einführenden Worten begrüßte Dr. Christof Schütz, Fraktionsvorsitzender der Lindener Grünen und Organisator der Verantaltung „INS GRÜNE“, den Referenten und zahlreiche Gäste. Er dankte dem NABU, hier insbesondere der neugewählten Vorsitzenden des NABU-Linden, Frau Dr. Cornelia Fink, für die logistische Unterstützung der Veranstaltung.

Die ursprüngliche Planung sah vor, diese Veranstaltung im Frühjahr durchzuführen. Das klappte u.a. Corona-bedingt nicht. Dennoch war gerade der erste Teil der Führung, der der Vogelwelt gewidmet war, höchst aufschlussreich. Korn teilte sein profundes vogelkundliches Wissen gerne mit den interessierten Bürger*innen: 116 Vogelarten sind an der Grube Fernie nachgewiesen. Deren Besonderheit als FFH-Gebiet: wenig Nährstoffe und Algen im Wasser, große Tiefe, d.h. stetig kühle Wassertemperaturen, auch wenn es im Sommer sehr heiß wird. Ideale Bedingungen für Haubentaucher, Blässhühner, viele Enten- und Gänsearten, wunderbare Jagdgebiete für Mauersegler, Uferschwalben, perfektes Beutegebiet für den Eisvogel und viele andere Vogelarten. Schon hier wurde deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel verschiedener Spezies für das Gesamtsystem ist. So holen die Blässhühner pflanzliche Nahrung aus der Tiefe, von der dann auch weniger gewandte Taucher wie die Moorente profitieren können. Im weiteren Verlauf konnte der Referent mehrere Beispiele von Libellenarten zeigen – insgesamt sind an der Grube Fernie 35 Arten nachgewiesen. Besonderer Erwähnung bedarf hier die »Zierliche Moosjungfer«, eine Art, die in Hessen regelmäßig nur in Linden nachgewiesen wird. Feuerlibellen und Blaupfeil konnten den Teilnehmer*innen demonstriert werden.

Besonders aufmerksam beobachteten die Besucher*innen die vor einigen Jahren nach heftigsten Diskussionen veränderte Flachwasser-Zone im nördlichen Bereich. Inzwischen wird klar, dass sich dieser Eingriff (entgegen allen Unkenrufen) als außerordentlich wirksam erwiesen hat und der Freude der vielen Naturbeobachter keinerlei Abbruch getan hat. Auch wenn der Rothalstaucher, dessen Brut seinerzeit vermutlich durch Störung durch zu aufdringliche Besucher*innen nicht zum Erfolg führte, bisher nicht wieder zurückgekommen ist: Für alle anderen Vorgelarten ist die Ruhezone ein Paradies. Kleine Einschränkung: Aktuell ist die Absperrung an der Besucherplattform wahrscheinlich noch zu dicht an der Abrisskante. So kommt es gerade im Winter, wenn die Belaubung fehlt, noch immer zu Störungen der dort ruhenden Enten. Hier wäre ein Zurücksetzen der Absperrung um lediglich zwei Meter notwendig. Entsprechende Initiativen sind gestartet, bisher hat HessenForst dem jedoch noch nicht zugestimmt. Und für den Eisvogel wäre eine steilere Uferböschung optimal. Auch dazu wurden bereits Überlegungen angestellt.

Höchst aufschlussreich der Part »Wildwiese« im Westen der Grube Fernie. Hier zeigt sich der Effekt des bisher bereits sehr heißen Sommers. Eine große Fläche ist bereits viel zu früh gelb. Das bedeutet den Verlust der Nahrungsgrundlage für viele Insekten. Das war sehr konkret auch an der außergewöhnlich geringen Zahl von Schmetterlingen nachzuvollziehen. Erschütternd zu wissen, dass Insekten in der Regel auf »ihre« Pflanzen spezialisiert sind. Der Wegfall nur einer Pflanzenart führt zum Verlust von 10–15 Insektenarten.  Umso wichtiger ist der Verzicht auf die sorglose Herbizid-Anwendung (z.B. Round-Up) – aber eben auch der  Klimaschutz und die Vermeidung der Klimaerwärmung.

Diese Befunde zeigen eindrücklich, wie fragil Umwelt und Natur auf Eingriffe des Menschen reagieren. Die Schaffung der Ruhezone hat in diesem Zusammenhang zu einer weiteren Verbesserung der Lebenswelt von Vögeln und Insekten sowie Amphibien geführt.

In seinem Abschluss-Statement dankte Schütz dem Referenten für sein Engagement. Es sei »keineswegs selbstverständlich, dass sich Menschen mit solch außergewöhnlicher  Expertise in ihrer Freizeit noch bereit erklären, Menschen an ihrem Wissen teilhaben zu lassen«. Mit einem Büchergutschein und dem Ausblick auf eine weitere Führung im kommenden Frühjahr verabschiedete Schütz Korn und die Besucher*innen. Sein besonderer Dank ging zuletzt an den NABU Linden, der im Anschluss an die Veranstaltung zu kühlenden Getränken im Schatten vor dem NABU-Vereinsheim eingeladen hatte.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.